Die kleinen Unwahrheiten zur "Rettung" von Griechenland

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Die armen europaeischen StaatsMaenner und -Frauen haben die ganze Nacht in Bruessel durchgearbeitet und sind nun mit der ultimativen Loesung vor die versammelte Menschheit getreten. Ob dieser Vorschlag funktionieren wird weiss nur die Zukunft.

Es werden jedoch einige der Fakten etwas unrichtig, oder zumindest unklar dargestellt, unter anderem folgende:

Griechenland werden 50% der Staatsschulden erlassen

Der proklamierte Haircut von 50% laesst vermuten, dass das aktuell mit ~€340 Mrd. verschuldete Griechenland per sofort nur noch eine Schuldenlast von €170 Mrd. aufweisen wird.

Diese Darstellung ist falsch, wie Tyler auf Zerohedge sehr schoen analysiert. Von den €350 Mrd. sind naemlich sowohl €75 Mrd. an Einlagen der EZB, als auch €70 Mrd. der Troika nicht von dem Schnitt betroffen. Von den verbleibenden ~€200 Mrd. werden zwar 50% erlassen, die €100 Mrd. entsprechen allerdings nur einem Rueckgang der Staatsverschuldung Griechenlands um ~29%.

Die Hebelung ist “sicher” und kostet maximal €211 Mrd.

Waehrend der gestrigen Bundestagsdebatte wurde seitens CDU/CSU sowie FDP haeufiger angemerkt, dass die Hebelung war “Risiken berge”, diese aber “beherrschbar” seien und man schliesslich “nicht immer nur die Risiken, sondern auch die Moeglichkeiten” sehen darf.

Dem letzten Satz stimme ich voll und ganz zu, wenn ich Investor bin. Jetzt geht es aber mit der Rettung der PIIGS nicht darum Profit zu generieren, sondern darum Stabilitaet zu garantieren.

Es gibt durchaus Argumente fuer die Hebelung von Investitionen, gerade wenn das Ausfallrisiko sehr genau beziffert werden kann. Wenn z.B. ein Ausfallrisiko von 10% bei einer Investitionssumme von €10 Mrd. vorliegt, dann kann in dieser Welt “relativ sicher” €100 Mrd. investiert werden, da bei Eintreten eines Kreditausfalls ja €10 Mrd. vorhanden sind um diese zu bedienen.

In der Euro-Zone ist nun das Problem, dass es zunehmend schwieriger wird das Ausfallrisiko der vergebenen Kredite zu quantifizieren. Als moeglicher Anhaltspunkt koennen die CDS Raten dienen die aktuell auf dem Weltmarkt gehandelt werden.

greece_cds.pngEntwicklung der fuenfjaehrigen griechischen CDS. y-Achse in 1/100 Prozent, d.h. bei 1000 Punkten kostet es $10 Mio um Schulden in Hoehe von $100 Mio abzusichern

Mit aktuell ~5500 Basispunkten der 5-jaehrige CDS heisst das, dass derzeit $55 Mio. aufgewendet werden muessen um $100 Mio. an Kredit abzusichern, was grob gesagt in ein Ausfallwahrscheinlichkeit von 55% uebersetzt werden kann.

Gerade die Entwicklung seit Juni 2011 mit einem fast verdoppelten Kurs zeigt, wie volatil die aktuellen Modellierungen sind.

Dass die IDSA heute festgestellt hat, dass die 50% Haircut kein Kreditereignis darstellt, da der Schuldenschnitt freiwillig erfolgte, wird wenig dazu beitragen diese Modellierungen zu stabilieren.

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