EZB: Banken bekommen soviel Geld wie sie wollen

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Zuallererst: Ich bin kein Linker, moechte es auch nicht sein, schaetze die Grundsaetze der (sozialen) Marktwirtschaft, bin leistungsfaehiger und -williger Akademiker und goenne jedem seinen ehrlichen Erfolg.

Was sich jedoch momentan auf den internationlen Finanzmaerkten und in den diese eigentlich kontrollierenden politischen Gremien und Instanzen abspielt, wird taeglich absurder.

In einem Artikel von Reuters wird die bereits gestern verkuendete, aus Sicht der Finanzinstitute frohe, Botschaft gut aufbereitet dargestellt.

Im Kern geht es darum, dass die Europaeische Zentralbank unter Herrn Trichet einen Blankoscheck an alle Finanzinstitute ausstellt, mit welchem die Banken “dabei so viel Geld bekommen, wie sie benoetigen, und Planungssicherheit in Zeiten der Krise erhalten”. Das Ganze gibt es auch noch zu einem historisch tiefen Zins von gerade einmal 1,5%.

Bei einer derzeitigen Inflationsrate von etwa 3% freut sich der Arbitrageur ueber von der EZB garantierte, risikolose Gewinne. Selbst wenn die Inflationsrate, wie von Herrn Trichet wohlwollen prognostiziert, auf die Marke von 2% sinkt, bleibt ein Gewinn uebrig.

Da mir als Mathematiker die Moeglichkeiten zur bedarfsgerechten Modellierung der Finanzmaerkte, sowie der jeweiligen Instrumente um darauf einzuwirken, sowie deren Komplexitaet bekannt sind, will ich hier einen moeglichst einfachen Vergleich anstrengen, der die Situation eingaengig beschreibt:

Ein berufsmaessiger Spieler, der in den vorigen Jahren betraechtliche Gewinne an den Tischen von Roulette und Black-Jack realisiert hat, wird von der dem Spiel zugrunde liegenden Gesetz der grossen Zahlen eingeholt, und verbucht seit einigen Monaten konstant Verluste. Solche Phasen kamen in der Vergangenheit immer vor, dann hat sich der Spieler kurzfristig Geld von anderen, befreundeten Spielern geborgt. Da diese Spieler mittlerweile auch das Vertrauen in unseren Protagonisten verloren haben, weil auch sie massive Verluste einfahren, sind sie nun nicht mehr bereit ihm neues Geld zu borgen. Um diesem Dilemma vorzubeugen, und um den nicht berufsmaessigen Spielern weiterhin die Illusion auf schnellen Reichtum nicht zu nehmen, beschliesst der Zentralrat der Casinobetreiber unserem Spieler eine Kreditlinie einzuraeumen. Diese Kreditlinie wird solange gewaehrt, bis der Spieler seinen bisher angesammelten Verlust wieder ausgeglichen hat. Der Zentralrat der Casinobetreiber ist erleichtert, muss er nun doch nicht oeffentlich zugeben dass auf lange Sicht jeder Casinobesucher mehr Geld verliert, als er gewinnt.

In der Vergangenheit wurde haeufig der Vergleich zwischen Finanzmaerkten und Casinos gezogen. Er hinkt sicherlich etwas, da z.B. die Wahrscheinlichkeiten der Spiele im Casino a priori bekannt sind, wohingegen die der Finanzmaerkte es nur mit einer gewissen Unschaerfe sind.

Im Kern sind sowohl der Besuch des Casino als auch die Aktivitaet auf den Finanzmaerkten Formen des Gluecksspiels. Ein wichtiger Unterschied ist, dass auf lange Sicht der Casinobetreiber immer gewinnt, wohingegen jeder Haendler an den Maerkten von der Moeglichkeit getrieben wird es besser als die anderen zu machen.

Jede Wette auf die zukuenftige Entwicklung eines beliebigen Wertes, auch Derivat genannt, ist per definitionem ein Nullsummenspiel, d.h. soviel die eine Seite an dem Derivat verdient, verliert die andere Seite auch.

An sich ist der Handel mit Derivaten daher eine durchaus sportlich zu sehene Angelegenheit, kann jeder Akteur doch selbst entscheiden wieviel Vertrauen er in die Vorhersagen seiner Systeme hat. Aus diesem Grund schaetze ich Derivate durchaus.

Es ist jedoch schwer einzusehen, dass nun, da die systemischen Fehler der Branche zu offensichtlich werden, die am Erfolg nicht partizipierende Allgemeinheit die Finanzinstitute in ihrer bisherigen, oder auch durch leichte kosmetische Behandlungen wie Basel III nur geringfuegig geaenderten, Form am Leben erhalten soll.

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