Fehlende Akzeptanz dafuer, dass man nicht akzeptiert wird

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Es klingt ein wenig paradox, aber dennoch gibt es Menschen die unbedingt zu einer Gruppe gehoeren wollen, obwohl - oder eventuell gerade deswegen? - diese Gruppe sie ablehnt.

Abstrakt, in diesem Szenario also psychologisch, betrachtet ergeben sich unterschiedliche Erklaerungsmoeglichkeiten fuer solches Verhalten.

Eine ist negativer Lustgewinn, also das Beduerfnis lieber unschuldig zu leiden, als selbst Verantwortung zu uebernehmen. Eine Diskussion ueber die Freiheit des Willens aussen vor gelassen, ist die Unschuldigkeit in dieser Situation kaum wirkliche Unschuld, da der Wunsch der Gruppe anzugehoeren ja aktiv beeinflusst und aufgegeben werden kann.

Eine andere kann, durch unterschiedliche Sichtweisen, diametral begruendet sein, obschon die Wirkung durchaus vergleichbar ist. In beiden Faellen geht es um das Einwirken und das Aendern der Gruppenmeinung. Einerseits um eine als solche empfundene Ungerechtigkeit zu beseitigen und andererseits um der Gruppe seine persoenliche Meinung aufzuzwingen.

In diesem Zusammenhang wird sehr haeufig folgendes Argument angefuehrt: “Die Gruppe akzeptiert mich nicht, und das ist falsch!”.

Das Individuum verlangt also Akzeptanz von der Gruppe, spricht der Gruppe jedoch gleichzeitig das Recht darauf ab selbst festzulegen wen sie in ihrer Gruppe akzeptiert. Dass eine solche Haltung selten zu den gewuenschten Ergebnissen fuehrt ist nicht verwunderlich, sondern sogar zu erwarten.

Zwei Beispiele fuer moegliche Instanziierungen dieses Sachverhalts:

Homosexuelle die von der katholischen Kirche nicht akzeptiert werden

Unter dem Titel Liebet und wehret Euch hat AZ MEDIA eine Sendung produziert, welche die empfundene Ungerechtigkeit darueber, dass Homosexualitaet in der katholischen Kirche offiziell nicht akzeptiert wird dokumentiert.

Jetzt ist eine Gruppe wie die katholische Kirche, so wie jede andere Gruppe, berechtigt selbst zu entscheiden wen sie innerhalb ihrer Gemeinschaft akzeptiert. Ebenso steht es jedem Homosexuellen frei selbst eine Glaubensgemeinschaft zu gruenden, die entweder exklusiv fuer Homosexuelle oder progressiver und aufgeschlossener fuer alle sexuellen Orientierungen bestimmt ist.

Personen mit Migrationshintergrund die im neuen Land nicht akzeptiert werden

Beschliesst ein Mensch sein ganzes bisheriges Leben komplett neu zu orientieren und sowohl Heimat, als auch Freunde und Familie zu verlassen um das Glueck innerhalb neuer Landesgrenzen zu suchen, ist es nur natuerlich dass im Falle einer Aenderung der damit einhergehenden Lebensumstaende ein gewisses Kultur- und Identitaetsvakuum entsteht. Dieser Kulturschock ist umso groesser, je staerker die Kultur des neues Landes von der des alten abweicht und je staerker an der Kultur des alten Landes festgehalten wird.

Sofern das neue Land den Prinzipien einer freiheitlich-demokratischen Grundordnung folgt, sind koerperliche Unversehrtheit, freie Meinungsaeusserung und Religionsfreiheit garantiert. Eine automatische Akzeptanz kann weder per Gesetz erlassen werden, noch verlangt werden.

Es ist in diesem Zusammenhang vollkommen unerheblich aus welchem Land emigriert und in welches immigriert wird.

Das Argument des ersten Absatzes umkehrend, hat dax Individuum zwei moegliche Stellschrauben um die Eingliederung in eine neue Lebensumgebung moeglichst schnell und erfolgreich zu vollziehen. Entweder sucht es sich eine der bisherigen Lebensumgebung moeglichst aehnliche neue Umgebung, dann braucht es sich weniger zu adaptieren, oder es kann die Bindung an die alte Lebensumgebung zugunsten einer Bindung an die neue Lebensumgebung aufgeben.

Dass ueber derart Offensichtliches soviel diskutiert, emotionalisiert und polemisiert wird, ist fuer den abstrakt denkenden und nach moeglichst einfachen und effizienten Loesungen Suchenden nicht nachvollziehbar, schliesslich verbauen sich die beteiligten Parteien den Weg zu einer Loesung selbst.

Nicht jedes Problem kann durch einen Kompromiss befriedigend geloest werden, eine respektvolle und friedliche Koexistenz erzielt haeufig bessere Resultate als stures Pochen auf das eigene, subjektive Recht.

twff

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